9 Months out – Rückbildung nach der Geburt: Was wirklich wichtig ist! Teil 2
Nach neun Monaten voller Wachstum, Veränderung und Vorbereitung auf das Baby beginnt nun das nächste große Kapitel: die Rückbildung. Oft wird uns Frauen suggeriert es sei „normal“ 6 Wochen nach der Geburt wieder so auszusehen, als ob wir nie schwanger gewesen wären. Das ist jedoch weder erstrebenswert noch gesund. Der Körper hat so viel geleistet und unterliegt immer noch vielen Veränderungen, körperlich und mental. Auch wenn es nicht immer einfach ist, so
sollten wir unserem Körper doch ausreichend Zeit geben und ihn unterstützen und nähren, damit er uns durch diese schöne aber auch sehr fordernde Zeit tragen kann.
Die ersten 6 Wochen: Das Frühwochenbett
Ist das Baby auf der Welt und die Plazenta geboren, beginnt das Wochenbett. Was häufig als „gemütliche Kuschelzeit“ verkauft wird, ist für viele Frauen in Wahrheit eine sehr anstrengende, emotionale Zeit, die von unendlichem Glück aber auch Traurigkeit und Tränen begleitet wird. Der Körper hat gerade ein Wunder vollbracht und neben dem Baby ist auch eine Mutter geboren! Die Geburt ist geschaWt und plötzlich ist da diese Flut an Hormonen, der Schlafmangel und
oben drauf die neue Identität als Mutter dieses hilflosen, kleinen Wesens. Das Stillen klappt häufig nicht gleich, ist anfangs schmerzhaft, die Nachwehen sind intensiver als angenommen und die Tage, die man sich als so wunderschön vorgestellt hat, erfordern oft viel mehr Kraft und Energie, als man vorher gedacht hätte.
Auch der Körper verändert sich erneut: Die Gebärmutter zieht sich zusammen. Dort wo vorher die Plazenta war, ist jetzt eine handtellergroße Wunde. Der Beckenboden und die Bauchmuskulatur wurden stark gedehnt und bei einigen Frauen kommen Geburtsverletzungen oder eine Kaiserschnittwunde hinzu.
Was braucht der Körper in dieser Phase?
Der Körper braucht vor allem eines: Ruhe und Regeneration. In den ersten Tagen nach der Geburt sollte so viel wie möglich gelegen werden um den Beckenboden zu entlasten. Hierbei kann regelmäßiges Liegen in der Bauchlage die Rückbildung unterstützen. Tiefe Atemzüge und Wahrnehmungsübungen helfen wieder eine Verbindung zu Core und Beckenboden herzustellen.
6 bis 12 Wochen: Spätes Wochenbett
Nach den ersten Wochen beginnt nun die Phase, in der sich der Körper langsam stabilisiert. Auch wenn die meisten Frauen sich nun wieder fitter fühlen und gerne wieder voll in den Alltag zurückkehren würden, sollte trotzdem noch ausreichend Zeit für Regeneration genommen werden. Bei vielen Frauen schließt sich der Spalt zwischen den Bauchmuskeln langsam und auch der Beckenboden wird stärker und stabiler, aber nach drei Monaten ist er in den meisten Fällen noch längst nicht vollständig belastbar. Neben einer gezielten Rückbildung ist es in dieser Zeit wichtig, auf den Körper zu hören. Auch wenn es sich vielleicht nicht so anfühlt, aber der Beckenboden ist stark gefordert und sollte regelmäßig Pausen bekommen. Auch jetzt noch kann bewusstes Hinlegen, auch in die Bauchlage, den Beckenboden entlasten und förderlich für die Rückbildung sein.
Was braucht der Körper in dieser Phase?
Mit der gynäkologischen Nachuntersuchung kann in die Rückbildung gestartet werden. Der Fokus sollte auf dem Atem, Beckenbodenwahrnehmung und dem Aufbau der Tiefenstabilität im Core liegen.
9 Months out: 9 Monate nach der Geburt
Auch wenn viele Frauen sich nach 12 Wochen wieder deutlich stabiler fühlen ist die Rückbildung danach noch lange nicht abgeschlossen. Es kann noch Wochen und Monate dauern, bis Stabilität und Kraft zurück kehren. Die Bauchmuskeln nährern sich nach und nach an und der Beckenboden wird zunehmend stärker. Eine gute Rückbildung und progressive Steigerung der Übungen kann den Prozess unterstützen. Wichtig ist in dieser Zeit vor allem eines: Geduld und eine liebevolle Einstellung zum Körper. Der Körper hat sich über neun Monate hinweg verändert, ein Baby gemacht und geboren und verdient ausreichend Zeit zu regenerieren und neu zu organisieren. Das dauert oft länger als einem lieb ist und als man vermuten würde. Zwischen sechs und neun Monaten kehrt häufig auch emotional mehr Ruhe ein, der Zyklus normalisiert sich und die Energie steigt. Häufig fühlen sich die Frauen auch nach und nach mehr in ihrer neuen Rolle als Mutter ein. Dein Körper hat neun Monate gebraucht, um sich zu verändern, und er braucht mindestens genau so lange, um sich vollständig zu stabilisieren und neu zu organisieren.
Rückbildung ist kein Wettkampf und kein Sprint. Stark und bewundernswert sollten nicht die Frauen sein, die schnell wieder in ihre Hosen passen, sondern den Mut und die Selbstliebe aufzeigen sich eine größere Hose zu kaufen und sich die Zeit nehmen die sie brauchen.
Über unsere Gastautorin:
Ich bin Alexandra, 2-fache Mama, Apothekerin, Yogalehrerin und Pilatestrainerin mit Fokus auf Schwangerschaft, Rückbildung und Frauengesundheit. Schon seit Jahren begleite ich Frauen auf ihrem Weg durch Schwangerschaft, Geburt und die Rückbildungsphase mit dem Ziel, dass sie sich stark, sicher und verbunden mit ihrem Körper fühlen. Als Mutter weiß ich selbst, wie intensiv und gleichzeitig herausfordernd diese Phasen sind. Genau diese Erfahrung hat mich motiviert, meine Expertise mit meinen persönlichen Erfahrungen zu verbinden. Ich möchte Frauen zeigen wie sie mit Bewegung und dem nötigen Wissen ihren Körper und ihr Selbstvertrauen nachhaltig unterstützen können. Du findest mehr von mir auf Instagram unter @flowwithalexandra oder auf meiner Homepage www.flowwithalexandra.at.

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