Mentale Vorbereitung auf die Geburt 

Innere Stärke finden, Vertrauen wachsen lassen

aus der Perspektive einer Doula

Noch bevor die erste Wehe spürbar wird, beginnt Geburt in der inneren Welt – dort, wo Gedanken, Gefühle und Hoffnung sich begegnen: Die Geburt eines Kindes ist weit mehr als ein rein körperlicher Vorgang. Sie ist eine tiefgreifende emotionale, mentale und seelische Erfahrung. Während in der klassischen Geburtsvorbereitung häufig körperliche Abläufe, Atemtechniken und Geburtsphasen im Vordergrund stehen, wird ein entscheidender Aspekt manchmal unterschätzt: die mentale und seelische Vorbereitung auf die Geburt.

Doulas begleiten Schwangere genau auf dieser Ebene. Ihr Fokus liegt darauf, Frauen darin zu stärken, Vertrauen in sich selbst, ihren Körper und ihren individuellen Geburtsweg zu entwickeln. Denn die innere Haltung zur Geburt beeinflusst maßgeblich, wie sie erlebt wird.

Warum mentale Stärke unter der Geburt eine zentrale Rolle spielt

Angst, Unsicherheit oder belastende Geburtserzählungen aus dem Umfeld können sich tief im Unterbewusstsein verankern. Unter der Geburt – in einem Moment maximaler körperlicher und emotionaler Intensität – können diese inneren Muster besonders deutlich zutage treten.

Mentale Vorbereitung bedeutet jedoch nicht, die Geburt kontrollieren zu wollen. Vielmehr geht es um Dinge wie:

  • ·       sich bewusst mit eigenen Gedanken, Erwartungen und möglichen Ängsten auseinanderzusetzen,
  • ·       innere Ressourcen zu aktivieren,
  • ·       Vertrauen aufzubauen – auch für einen Verlauf, der nicht planbar ist.

Ein ruhiger, gestärkter Geist kann dem Körper helfen, besser loszulassen. Stress und Angst hingegen können Prozesse hemmen. Genau hier setzt mentale Geburtsvorbereitung an.

Affirmationen – stärkende Worte für Körper und Geist

Affirmationen sind positive, unterstützende Sätze, die regelmäßig wiederholt werden. Sie wirken auf das Unterbewusstsein und können dabei helfen, alte, hemmende Glaubenssätze zu lösen und neue, stärkende Gedanken zu verankern.

Beispiele für geburtsbegleitende Affirmationen sind:

„Mein Körper und mein Baby sind ein Team.“

„Ich darf loslassen und dem Prozess vertrauen.“

„Jede Welle bringt mich meinem Baby näher.“

„Ich bin getragen, geschützt und gut begleitet.“

Das Wichtigste ist, dass sich Affirmationen stimmig anfühlen. Sie müssen nicht perfekt formuliert sein, sondern ehrlich und individuell passend. Schon wenige Minuten bewusster Wiederholung der persönlichen Affirmation pro Tag können langfristig Wirkung entfalten.

Visualisierungen – innere Bilder als Kraftquelle

Stell dir fest vor, du beißt in eine Zitrone. Was passiert dann in deinem Körper? Vielleicht spürst du es im Mund, vielleicht schüttelt es dich: Das menschliche Gehirn unterscheidet kaum zwischen realen Erlebnissen und intensiv vorgestellten Bildern. Dies kannst du als Schwangere bewusst für dich nutzen. Visualisierungen können nämlich ein wirkungsvolles Werkzeug sein, um sich innerlich auf die Geburt einzustimmen und Sicherheit zu empfinden.

Häufig genutzte Visualisierungen sind zum Beispiel:

  • ·       das sanfte Öffnen einer Blüte
  • ·       Wellen, die kommen und wieder abebben
  • ·       ein sicherer, warmer Ort
  • ·       das bewusste Hinunteratmen zum Baby

Solche inneren Bilder können während der Geburt zu einem Anker werden – etwas Vertrautes, das Halt gibt, wenn es intensiv wird.

Die Rolle der Doula – emotionale Begleitung mit klarer Abgrenzung

An dieser Stelle ist eine deutliche Abgrenzung wichtig: Eine Doula ist kein medizinisches Fachpersonal. Sie stellt keine Diagnosen, führt keine Untersuchungen durch und ersetzt weder Hebamme noch Ärztin oder Arzt.

Die Begleitung durch eine Doula versteht sich als Ergänzung zur medizinischen Betreuung, nicht als Ersatz. Der Aufgabenbereich einer Doula liegt ausschließlich in der emotionalen, mentalen und kontinuierlichen Unterstützung vor, während und nach der Geburt.

Doulas halten Raum, hören zu und erinnern an Ressourcen, Wünsche und innere Stärke. Die medizinische Verantwortung liegt stets bei den zuständigen Fachpersonen.

Geburt beginnt im Inneren

Jede Geburt ist einzigartig. Mentale Vorbereitung ist kein Versprechen für einen bestimmten Geburtsverlauf – sondern eine Einladung, sich selbst bewusst zu begegnen.

Innere Stärkung bedeutet:

  • ·       sich selbst ernst zu nehmen,
  • ·       Gefühle wahrzunehmen und zuzulassen,
  • ·       Vertrauen zu entwickeln, auch wenn nicht alles planbar ist.

Geburt darf als kraftvolle Erfahrung erlebt werden – unabhängig davon, wie sie letztlich verläuft. Manchmal beginnt diese Kraft ganz leise: mit einem Gedanken, einem Atemzug oder dem inneren Satz „Ich darf mir selbst vertrauen“.

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