Gründerin Julia erzählt: Wie aus ihrer Kaiserschnittnarbe der Kaiserschlüpfer entstand!

Wie aus meiner Kaiserschnittnarbe der Kaiserschlüpfer entstand – meine ganz persönliche Geschichte
 
Manchmal beginnt etwas Großes in einem Moment, in dem man sich selbst überhaupt nicht groß oder stark fühlt. Bei mir begann es nach der Geburt meines zweiten Kindes – mit einem Kaiserschnitt. Eigentlich hätte sich in diesen Tagen alles nur um mein Baby drehen sollen. Um dieses unglaubliche kleine Wesen, das plötzlich da war. Um Kennenlernen, Kuscheln, Staunen und darum, als Familie anzukommen. 
 
Aber da war eben auch mein Körper.
Und der fühlte sich nach dem Kaiserschnitt plötzlich ganz anders an.
 
Meine Kaiserschnittnarbe war unglaublich empfindlich. Alles, was darüber verlief, scheuerte oder Druck ausübte, war unangenehm. Und mit „alles“ meine ich wirklich alles: Slips, Hosen, Leggings, Jogginghosen, meine Schwangerschaftshosen und sogar die Boxershorts meines Mannes, die ich irgendwann ausprobierte. Gefühlt verlief jeder Bund und jede Naht genau dort, wo ich sie am wenigsten gebrauchen konnte.
 
Die Lösung im Krankenhaus war damals ziemlich pragmatisch: Weißes Netzhöschen, eine riesige Wochenbettvorlage – auch liebevoll „Surfbrett“ genannt – dort, wo sie hingehört, und ein zweites „Surfbrett“ quer über die Kaiserschnittnarbe, um sie zu schützen.
 
Ich weiß noch genau, wie ich dastand und dachte: Das soll jetzt wirklich die Lösung sein?
 
Ich hatte gerade ein Kind bekommen. Der eigene Körper hat Unglaubliches geleistet. Ich war müde, emotional, glücklich, überfordert – wahrscheinlich alles gleichzeitig. Und dann steckte ich in einem Netzhöschen mit zwei riesigen Vorlagen und soll mich irgendwie wieder wie mich selbst fühlen. Für mich fühlte sich das einfach furchtbar und ehrlich gesagt auch ein bisschen entwürdigend an.
 
Mit mir im Krankenhauszimmer lag damals eine Ärztin, die gerade ihren dritten Kaiserschnitt hinter sich hatte. Ich fragte sie: „Sag mal, ist das wirklich die Lösung für alle Frauen nach einem Kaiserschnitt? Das kann doch nicht sein. Da muss es doch irgendetwas geben.“
 
Ihre Antwort war ziemlich ernüchternd: „Nein. Da gibt es wirklich nichts.“ Und ich weiß noch, wie ich zu ihr sagte: „Dann muss mal jemand eine Unterhose mit Stoßdämpfer erfinden.“ Sie schaute mich an und meinte: „Wenn du das machst, bekomme ich auch noch ein viertes Kind.“ Damals haben wir darüber gelacht. Heute denke ich oft an diesen Moment zurück. Denn eigentlich war genau das die Geburtsstunde des Kaiserschlüpfers.
 
Noch im Krankenhaus fing ich an zu überlegen und zu zeichnen. Ich zeigte meiner Bettnachbarin meine ersten Ideen und fragte mich immer wieder: Warum gibt es eigentlich keinen Slip, der wirklich für Frauen nach einem Kaiserschnitt gemacht ist? Einen Slip, dessen Bund weit genug von der empfindlichen Narbe entfernt sitzt, der den Bauch angenehm umschließt und vor allem die Narbe vor Druck und Reibung schützt?
 
Ich wollte keine weitere improvisierte Lösung. Ich wollte etwas Praktisches, Angenehmes und Durchdachtes. Und – ja, auch das war mir wichtig – etwas, in dem man sich trotz Wochenbett, Narbe und all den Veränderungen des eigenen Körpers wieder ein bisschen wie eine Frau fühlen konnte.
 
Während ich zeichnete, entstand irgendwann die entscheidende Idee: Was wäre, wenn vorn im Slip eine Tasche wäre? Eine Tasche, in die man ein weiches Gelpad einschieben könnte. Wie ein kleiner Stoßdämpfer vor der empfindlichen Stelle. Das Pad könnte schützen und bei Bedarf vorher gekühlt werden.
 
Plötzlich hatte meine „Unterhose mit Stoßdämpfer“ eine Form.
 
Damals hatte ich natürlich keine Ahnung, was einmal daraus entstehen würde. Ich wollte zunächst nur mein eigenes Problem lösen. Nach meiner Entlassung erzählte ich auch meiner Hebamme von der Idee. Sie kannte das Problem aus ihrer Arbeit mit Frauen nach Kaiserschnitten ebenfalls, und so begann aus meinen ersten Zeichnungen langsam ein echtes Produkt zu werden.
 
Es folgten Monate des Tüftelns, Ausprobierens, Verwerfens und Verbesserns. Schnitte wurden verändert, Materialien ausprobiert und Details immer wieder neu gedacht. Dabei stand für mich eine Frage über allem: Was braucht eine Frau nach einem Kaiserschnitt wirklich?
 
Nicht theoretisch. Sondern morgens, wenn sie aus dem Bett aufsteht. Wenn sie ihr Baby versorgt. Wenn sie zum ersten Mal wieder eine normale Hose anziehen möchte. Wenn ihr Bauch empfindlich ist und sie sich in ihrem Körper vielleicht noch fremd fühlt. Wenn sie einfach möchte, dass wenigstens eine Sache unkompliziert ist.
 
Fast ein Jahr dauerte es, bis aus meiner ersten Zeichnung der Slip geworden war, den ich mir damals im Krankenhaus gewünscht hätte. Und dann brauchte dieses „Baby“ natürlich noch einen Namen.
 
Kaiserschnitt. Schlüpfer. Kaiserschlüpfer.
 
Ein bisschen frech ein bisschen ungewöhnlich – aber ziemlich passend.
 
2017 durften schließlich 100 Patientinnen an der Berliner Charité unseren Kaiserschlüpfer ausprobieren. Ich weiß noch, wie unglaublich aufregend das für mich war. Eine Idee, die in meinem Krankenhausbett mit einem Netzhöschen, zwei „Surfbrettern“ und einem ziemlich empfindlichen Bauch angefangen hatte, wurde plötzlich von Frauen nach ihrem Kaiserschnitt in einer der bekanntesten Universitätskliniken Deutschlands getragen. Die Ergebnisse der kleinen Produkt-Studie waren unglaublich gut. 
 
Der vielleicht emotionalste Moment kam für mich allerdings erst danach: als andere Frauen anfingen, den Kaiserschlüpfer zu tragen.
 
 
Bis dahin war es meine Geschichte gewesen. Meine Narbe, mein Problem, meine Zeichnung, meine Idee. Und plötzlich schrieb mir eine andere Frau, dass sie sich mit dem Kaiserschlüpfer nach ihrem Kaiserschnitt wohler gefühlt hatte. Dann kam die nächste Nachricht. Und die nächste.
 
Da habe ich zum ersten Mal wirklich verstanden, dass aus meiner eigenen unangenehmen Erfahrung etwas entstanden war, das auch anderen Frauen diese besondere erste Zeit nach einem Kaiserschnitt ein kleines bisschen angenehmer machen konnte.
 
Die Rückmeldungen haben mich unglaublich berührt. Denn hinter jeder einzelnen stand eine Frau. Eine Frau mit einer Geburt hinter sich, mit einer Narbe, mit einem Baby im Arm und mit ihrer ganz eigenen Geschichte.
 
Und der Kaiserschlüpfer blieb nicht lange allein. Denn wenn man erst einmal anfängt, Frauen und Hebammen wirklich zuzuhören, merkt man schnell, wie viele Situationen es gibt, für die noch bessere Lösungen fehlen. Schwangerschaft, Wochenbett, Periode, Endometriose, Rückenbeschwerden, leichte Blasenschwäche oder Wechseljahre – und manchmal einfach der Wunsch nach Wäsche, die nicht kneift und einschneidet und einem nicht ständig das Gefühl gibt, der eigene Körper müsse irgendwie anders sein.
 
So ist über die Jahre aus einem einzigen Slip eine ganze Produktwelt entstanden. Aber der Anfang bleibt für mich immer dieser eine Moment im Krankenhaus. Heute schaue ich manchmal zurück und kann selbst kaum glauben, was aus meiner damaligen Zeichnung geworden ist. Aus einer Idee wurde ein Produkt. Aus einem Produkt wurde ein Unternehmen. Und aus meinem ganz persönlichen Problem wurde etwas, das inzwischen sehr viele Frauen begleitet hat.
 
Natürlich war der Weg nicht immer leicht. Ein Produkt zu entwickeln, eine Firma aufzubauen und aus einer verrückten Idee etwas zu machen, das tatsächlich funktioniert, bedeutet auch Zweifel, Rückschläge, schlaflose Nächte und ziemlich viel Durchhaltevermögen.
 
Aber dann erreichen mich Nachrichten von Frauen. Von einer Mama, die nach ihrem Kaiserschnitt endlich wieder eine Hose anziehen konnte, ohne dass der Bund genau auf der empfindlichen Stelle lag. Von einer Frau, die den Kaiserschlüpfer ihrer besten Freundin zur Geburt schenkt, weil sie selbst so froh war, ihn gehabt zu haben. Oder von Hebammen, die uns erzählen, dass sie ihn ihren Frauen empfehlen oder selber nach der Geburt getragen haben. Absolute Gänsehautmomente. 
 
Und dann weiß ich wieder ganz genau, warum ich damals angefangen habe.
 
Kaiserschlüpfer ist nicht am Schreibtisch einer großen Firma entstanden. Es gab keine Marktanalyse, an deren Ende jemand feststellte: „Hier fehlt ein Produkt.“ Da war einfach eine Frau nach einem Kaiserschnitt, die ein Problem hatte.
 
Ich. Mit einem Baby im Arm, einer empfindlichen Narbe, zwei „Surfbrettern“ im Netzhöschen und der ziemlich hartnäckigen Überzeugung, dass das doch irgendwie besser gehen muss. Also habe ich angefangen, nach einer Lösung zu suchen. Und als ich keine gefunden habe, habe ich sie selbst entwickelt. Dass daraus einmal Kaiserschlüpfer entstehen würde, konnte ich damals nicht ahnen. Aber vielleicht ist genau das der schönste Teil dieser Geschichte: Dass etwas, das mit Schmerz, Unwohlsein und einem ziemlich absurden Krankenhaus-Outfit begann, am Ende zu etwas Gutem geworden ist. Und dass heute in jedem Kaiserschlüpfer noch ein kleines Stück dieser ersten Idee steckt.
 
Von Mama zu Mama. Von Frau zu Frau. Und an meine damalige Bettnachbarin muss ich übrigens bis heute denken. Vielleicht sollte ich sie wirklich einmal fragen, ob es bei den drei Kindern geblieben ist. Einen Kaiserschlüpfer habe ich ihr damals jedenfalls persönlich übergeben.
 
Ich wünsche mir von Herzen, dass du dich wohlfühlst.

Julia
Gründerin und Erfinderin von Kaiserschlüpfer

Julia