Kinderwunsch: Gut vorbereitet in die Schwangerschaft 

Ein Kinderwunsch beginnt oft mit ganz viel Vorfreude und gleichzeitig mit vielen Fragen. Was kann ich selbst tun, wie kann ich mich vorbereiten und was, wenn es nicht gleich klappt? 

Den eigenen Zyklus kennen lernen 

Ist der Entschluss zum Kinderwunsch gefasst, kann ein gynäkologischer Check-up sinnvoll sein. Auch das Absetzen bisheriger Verhütungsmittel spielt nun natürlich eine Rolle. Gerade nach hormoneller Verhütung kann es oft ein paar Monate dauern bis sich der Zyklus einpendelt. 

Für den Kinderwunsch kann es hilfreich sein, den eigenen Zyklus etwas genauer kennenzulernen: 

  • Wie lange dauert mein Zyklus? 
  • Ist er regelmäßig? 
  • Wann findet ungefähr mein Eisprung statt? 
  • Welche Veränderungen zeigt mir mein Körper? 

Grundsätzlich dauert ein regelmäßiger Zyklus durchschnittlich 28 Tage. Tatsächlich ist der weibliche Zyklus aber sehr individuell und kann auch von Monat zu Monat schwanken. Die fruchtbaren Tage finden sich meist in der Zyklusmitte, jedoch sind auch hier die Schwankungen sehr groß.  

Mögliche Hinweise auf die fruchtbaren Tage beziehungsweise den Eisprung sind: 

  • Veränderungen des Zervixschleims 
  • ein Anstieg der Basaltemperatur nach dem Eisprung 
  • ein positiver Ovulationstest 

Um den eigenen Zyklus besser im Blick zu behalten, können ein klassischer Kalender oder eine Zyklus-App hilfreich sein. Auch Ovulationstests können dabei unterstützen, den Zeitraum rund um den Eisprung besser einzuschätzen. 

Was kann ich in der „Planungsphase“ einer Schwangerschaft tun? 

  • Folsäure: Bereits bei Kinderwunsch empfiehlt sich zusätzlich zu einer ausgewogenen Ernährung die tägliche Einnahme von 400 Mikrogramm Folsäure. 
  • Ernährung: Achte schon jetzt auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung mit viel frischem Gemüse, Vollkornprodukten, gesunden Fetten und ausreichend Proteinen. Auch eine gute Versorgung mit wichtigen Nährstoffen wie Folsäure, Antioxidantien, Jod, Eisen und Omega-3-Fettsäuren spielt rund um Schwangerschaft und Kinderwunsch eine Rolle. 
  • Alkohol und Rauchen: Bereits in der Kinderwunschzeit ist ein guter Zeitpunkt, auf Alkohol und Nikotin zu verzichten und möglichst gesundheitsbewusst in eine Schwangerschaft zu starten. 
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann Körper und Seele guttun und ausgleichend helfen Stress abzubauen. Sport kann die Fruchtbarkeit fördern und deinen Körper optimal auf eine Schwangerschaft vorbereiten. Es eignen sich Sportarten wie zügiges Gehen, Schwimmen, Radfahren, leichtes Joggen, leichte bis moderate Kräftigungsübungen, Yoga oder Pilates. Von hochintensivem Training oder übermäßigem Leistungssport ist vorbereitend eher abzuraten 
  • Impfstatus und gesundheitliche Vorsorge: Nutze die Zeit vor einer Schwangerschaft, um deinen Impfstatus überprüfen zu lassen. Auch ein allgemeiner gesundheitlicher Check-up kann sinnvoll sein. 
  • Bestehende Erkrankungen und Medikamente: Bestehende Erkrankungen solltest du vor einer geplanten Schwangerschaft mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen. Lass dabei am besten auch gleich überprüfen, ob regelmäßig eingenommene Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel für eine Schwangerschaft geeignet sind.
  • Zeit für sich: Nimm dir Zeit für Körper und Seele, tu dir etwas Gutes und versuche, Stress abzubauen. Ob Entspannungsübungen, Yoga, eine Massage oder auch eine osteopathische Behandlung – erlaubt ist, was dir persönlich guttut und dir hilft, zur Ruhe zu kommen. 

Kinderwunsch ist nicht nur Frauensache !

Wenn es um Kinderwunsch geht, liegt der Fokus häufig sehr schnell auf der Frau: Zyklus beobachten, Frauenarzttermin, Nahrungsergänzungsmittel einnehmen, Ernährung optimieren und den eigenen Körper möglichst gut vorbereiten. Dabei gehören zum Kinderwunsch meist zwei. Auch die männliche Fruchtbarkeit und Spermienqualität spielen eine immer wichtigere Rolle. Deshalb lohnt es sich, gemeinsam auf einen gesundheitsbewussten Lebensstil zu achten. Für Männer gelten größtenteils ebenso die oben angeführten Tipps zur Vorbereitung, wie Bewegung, Ernährung sowie den Verzicht auf Nikotin und übermäßigen Alkoholkonsum. Die Verantwortung dafür sollte nicht allein bei der Frau liegen. Gemeinsam informieren, gemeinsam gesund leben und sich auch gegenseitig den Druck nehmen, kann diese besondere Zeit wesentlich angenehmer machen.  

Und wenn es nicht sofort klappt? 

Ein Paar beschließt „Wir wollen ein Kind“. Schnell kann daraus Sex nach Kalender werden und Gedanken kreisen um Frage wie „Müssen wir heute?“, „Wann ist der Eisprung?“ oder „Hat es diesmal geklappt?“.  Es kann schön und aufregend sein, sich ganz bewusst mit dem Kinderwunsch auseinanderzusetzen. Trotzdem ist es wichtig, dass das Thema nicht den gesamten Alltag bestimmt. Sexualität und Partnerschaft sollen und dürfen auch weiterhin spontan und intuitiv bleiben. Auch wenn das Warten of belastend sein kann, ist es nun wichtig sich bewusst zu sein: Nicht jeder Zyklus führt automatisch zu einer Schwangerschaft und es kann durchaus einige Zyklen dauern, bis es klappt.  

Wenn eine Schwangerschaft länger auf sich warten lässt, kann eine ärztliche Abklärung sinnvoll sein. Wann der richtige Zeitpunkt dafür ist, hängt unter anderem vom Alter und der individuellen Vorgeschichte beider Partner*innen ab. 

Wenn der Kinderwunsch zur Belastung wird!

Manchmal dauert es doch etwas länger und der Kinderwunsch beginnt, immer mehr Raum im Alltag einzunehmen. Plötzlich nimmt man viel bewusster wahr, wie viele Menschen rundherum schwanger sind und alles ganz unkompliziert erscheint. Man wartet auf Veränderungen des Körpers, hofft auf das Ausbleiben der Periode – und dann kommt sie doch wieder. Das kann enttäuschend sein und zunehmend Druck erzeugen. Auch innerhalb der Partnerschaft kann der Kinderwunsch dadurch zu einer Belastungsprobe werden. Beginnt eine Kinderwunschbehandlung, kommen Untersuchungen, Termine und eventuell auch Medikamente hinzu. Vielleicht wird eine Ursache gefunden, vielleicht bleibt der Kinderwunsch unerklärt. Beides kann emotional herausfordernd sein. 

Umso wichtiger ist es, auch in dieser Zeit gut auf sich und die Partnerschaft zu achten: 

  • Redet miteinander: Sprecht offen über eure Gefühle, Wünsche und Ängste. 
  • Tauscht euch aus: Gespräche mit vertrauten Menschen können entlasten. Oft merkt man erst dann, wie viele andere schon Ähnliches erlebt haben. 
  • Bleibt auch Paar: Nehmt euch bewusst Zeit füreinander und unternehmt Dinge, bei denen es einmal nicht um Eisprung, Schwangerschaft oder Kinderwunsch geht. Ein Urlaub kann Balsam für die Seele sein. 
  • Holt euch professionelle Unterstützung: Psychologische Beratung oder Psychotherapie kann helfen, wenn die Belastung zu groß wird. 
  • Sprecht mit einer Hebamme: Was viele nicht wissen: Auch bereits bei Kinderwunsch können Hebammen Ansprechpartner*innen für Fragen, Orientierung und Unterstützung sein. 

Mein Hebammentipp:

Dennoch möchte ich allen Paaren Mut zusprechen, denn als Hebamme habe ich persönlich schon viele „Wunder“ erlebt- von unzähligen Kinderwunschbehandlung mit Abschluss des Themas und dann doch einer spontanen Schwangerschaft, über die Worte „Sie können ohne Kinderwunschbehandlung nicht schwanger werden“- und schwubbs, war das 2. Baby schon da, bis hin zu überraschender Adoption, die auch schier unmöglich schien. 

Deshalb möchte ich vor allem eines mitgeben: Kinderwunsch lässt sich nicht vollständig planen und nicht jeder Weg verläuft so, wie man ihn sich ursprünglich vorgestellt hat. 

Du musst deinen Körper nicht perfekt auf eine Schwangerschaft „vorbereiten“. Informiere dich, kümmere dich gut um dich und hole dir professionelle Unterstützung, wenn du Fragen hast.  

 

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Über die Autorinnen: 

Esther und Sophie sind zwei Hebammen aus Österreich. Die gemeinsame Arbeit und Zeit in einer Wiener Klinik hat die beiden so sehr verbunden, dass aus Kolleginnen gute Freundinnen wurden. Anlässlich der Corona Pandemie und dem Umzug von Esther nach Linz, haben die beiden beschlossen, einen kompakten, aber umfangreichen online Geburtsvorbereitungskurs für werdende Eltern zu entwickeln und aufzunehmen.

Während Esther derzeit in einer Linzer Klinik zwischen Kreißsaal, Wochenbett und Ambulanz wechselt und auch Mama eines kleinen Sohnes ist, arbeitet Sophie noch im gleichen Krankenhaus in Wien im Kreißsaal und der Ambulanz, und studiert nebenher „Public Health“. Die beiden sind auch freiberuflich in der Schwangerenvorsorge und Wochenbettnachsorge in ihrer jeweiligen Umgebung tätig.

Die beiden Hebammen sind auch auf Instagram mit ihrem Account _informed.motherhood_unterwegs, und ihren online Geburtsvorbereitungskurs findet ihr unter www.informed-motherhood.at.