Der Wochenfluss als natürlicher Begleiter im Wochenbett
Das Wochenbett ist eine Zeit des Ankommens, der Veränderung und der Heilung. Dazu gehört auch der sogenannte Wochenfluss, in der Fachsprache „Lochien“ genannt. Der Wochenfluss begleitet die Heilung, Regeneration und Rückbildung der Gebärmutter. Wie bei den meisten anderen Körperflüssigkeiten wird jedoch wenig darüber gesprochen – es gilt nach wie vor noch als Tabuthema. Genau deshalb gibt dieser Beitrag einen Überblick über Dauer, Verlauf, Hygiene und Besonderheiten des Wochenflusses sowie über Warnzeichen, bei denen eine Abklärung sinnvoll ist.
Was ist der Wochenfluss?
Um zu verstehen, was der Wochenfluss ist, lohnt sich ein kurzer Blick zurück in die Schwangerschaft und zur Geburt. Während der gesamten Schwangerschaft versorgt die Plazenta das Baby und wächst mit ihm. Sie haftet an der Gebärmutterwand und löst sich nach der Geburt des Kindes mithilfe der Wehen-Kraft von der Gebärmutter. Zurück bleibt eine etwa handtellergroße Wundfläche, die sich durch die sogenannten Nachwehen nach und nach verkleinert. Aus dieser Wunde treten dabei Blut, flüssige Gewebsreste, Lymphflüssigkeit und Schleim aus – genau dies bezeichnet man als Wochenfluss. Er wird in den ersten Wochen nach der Geburt über die Scheide ausgeschieden und ist ein natürlicher und wichtiger Teil der Rückbildung der Gebärmutter – unabhängig vom Geburtsmodus.
Nach einem Kaiserschnitt ist der Wochenfluss häufig etwas geringer oder von kürzerer Dauer als nach einer vaginalen Geburt, da während der Operation bereits Blut und Sekret abgesaugt werden. Farbe, Stärke und Dauer des Wochenflusses verändern sich im Verlauf des Wochenbettes und können von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein – ähnlich wie auch bei der Menstruation. Im Durchschnitt dauert der Wochenfluss etwa vier Wochen.
Hier ein kurzer Überblick über einen typischen Verlauf:
1. – 3. Tag Lochia rubra / frisch rot, blutig / mehr als regelstark
1. – 8. Tag Lochia fusca / rötlich-bräunlich, dünnflüssiger / regelstark
1. – 15.Tag Lochia flava / gelblich, weiß / weniger als regelstark
16. – 21.Tag Lochia alba / weiß, klar, ausflussartig / sehr wenig
- – 6. Woche Wundheilung meist abgeschlossen
Wichtig: Das ist ein möglicher Verlauf – jede Frau ist individuell. Manche erleben eine rasche Abnahme, andere mit schwankenden Intensitäten.
Stillen kann den Wochenfluss kurzfristig verstärken, da beim Saugen Oxytocin ausgeschüttet wird. Dieses Hormon unterstützt die Rückbildung der Gebärmutter und lässt Nachwehen intensiver spürbar werden.
Auch der Geruch kann Aufschluss geben:
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normal: metallisch, leicht süßlich
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auffällig: stark, faulig, fischig → Warnzeichen (siehe unten)
Hygiene und Alltag
Im Wochenbett ist eine gründliche Hygiene besonders wichtig, da sowohl innerliche als auch äußerliche Wunden heilen. Ziel ist es, Infektionen vorzubeugen und gleichzeitig die natürliche Heilung zu unterstützen.
Für den Wochenfluss eignen sich große, saugfähige und atmungsaktive Baumwoll-Wochenbettbinden oder Einlagen. Natürlich kannst du, sobald die Blutung weniger wird, auf kleinere Binden oder Slipeinlagen verwenden. Es empfiehlt sich diese Binden häufig zu wechseln. Auf Tampons, Menstruationstassen oder andere innere Hygieneprodukte sollte während dieser Zeit verzichtet werden, da sie das Infektionsrisiko erhöhen können. Ebenso wird in den ersten Wochen von Baden, Schwimmen, Saunagängen und Geschlechtsverkehr abgeraten, um Keimaufstieg zu verhindern.
Für die tägliche Intimhygiene reicht klares Wasser vollkommen aus. Intimwaschlotionen, Vaginalspülungen oder desinfizierende Produkte können das natürliche Gleichgewicht der Scheidenflora stören und sollten nur nach Rücksprache mit deiner Hebamme oder deiner*deinem Frauenärzt*in verwendet werden. Während oder nach dem Harnlassen kann das Abspülen mit Wasser als angenehm empfunden werden – ein Bidet oder eine Intimdusche eignen sich hierfür gut. Nach fachlicher Absprache können wundheilungsfördernde Zusätze wie Eichenrinde oder Calendula eingesetzt werden.
Auch im Alltag lohnt es sich, auf den eigenen Körper zu achten. Wird der Wochenfluss nach körperlicher Aktivität wieder stärker oder heller, ist das häufig ein Zeichen dafür, dass mehr Ruhe notwendig ist. Kurze Spaziergänge sind in der Regel gut verträglich, schwere körperliche Belastungen sollten dagegen vermieden werden.
Wann solltest du aufmerksam werden?
Sehr kurze Dauer/ plötzliches Stoppen des Wochenflusses
Bei manchen Frauen endet der Wochenfluss bereits nach etwa zwei Wochen – das kann normal sein, kann jedoch auch auf einen sogenannten Lochialstau hinweisen. Dabei kann das Blut nach ein paar Tagen bis wenigen Wochen aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr richtig abfließen. Hier ist besondere Vorsicht geboten, da dies zu einer Entzündung der Gebärmutter führen kann.
Warnsignale sind:
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plötzlich stoppender Wochenfluss nach zuvor normaler Blutung
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unangenehm riechender Wochenfluss
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druckempfindlicher Unterbauch
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im weiteren Verlauf: Stirnkopfschmerz, Fieber und extremem Druckschmerz im unteren Bauchbereich
Vorbeugen und Maßnahmen setzen:
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20 Minuten täglich Bauchlage
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Wohltuende, bewegende Bauchmassage
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Regelmäßiges Entleeren der Harnblase und auf regelmäßigen Stuhlgang achten
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Hebamme oder Frauenärzt*in kontaktieren, wenn die Blutung plötzlich ausbleibt
Starke oder anhaltende Blutungen
Der Wochenfluss nimmt normalerweise innerhalb der ersten Tage und Wochen nach der Geburt stetig ab. Besonders in den ersten Tagen sind stärkere Blutungen möglich. Dies kann unterschiedliche Gründe, wie eine verzögerte Rückbildung, eine Wehenschwäche oder einen Plazentarest haben. Dann zieht sich die Gebärmutter nicht ausreichend zusammen und die Plazentawunde verkleinert sich nicht ausreichend. Dadurch kann es zu vermehrtem Blutverlust kommen. Hier ist es wichtig rasch zu reagieren. Weiters kann es manchmal zu kleineren Stauungen des Wochenflusses und zu einer sogenannten Koagelbildung (= geronnenes Blut) kommen. Dabei fließt oft für ein paar Stunden kein Blut ab, und dann plötzlich viel. Dies kann sporadisch und in kleineren Mengen völlig normal sein, sollte aber bei größeren Mengen oder längerer Dauer ärztlich abgeklärt werden.
Bleibt der Wochenfluss jedoch über 6 bis8 Wochen hinweg bestehen oder schwankt auffällig, kann dies ein Hinweis auf Plazentareste sein – Gewebe, das in der Gebärmutter zurückgeblieben ist. Das kommt nach vaginalen Geburten wie auch nach Kaiserschnitten vor (wenn auch dort seltener).
Warnzeichen:
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Starke Blutung
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anhaltende Blutungen/ wieder stärker einsetzende Blutungen
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große und viele Koagel
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Enzündungszeichen wie Fieber, Schmerzen, Entzündungserscheinungen
Vorbeugung bei Stauung & Koageln:
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Bauchlage
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sanfte Bauchmassagen
Wichtig: Die Intensität einer Blutung ist sehr schwer einzuschätzen – bei Unsicherheit bitte unbedingt fachlichen Rat durch die Hebamme oder Ärzt*in einholen. Ab dem 2. Tag sollte eine Binde nach ungefähr 3 Stunden etwas Blut enthalten, aber nicht überlaufen Starke Blutungen immer zeitnah in der Klinik abklären lassen.
Wochenfluss und Menstruation
Endet der Wochenfluss nach 3 bis 6 Wochen und tritt einige Zeit später eine neue – meist dunklere und weniger starke – Blutung auf, kann es sich bereits um die erste Regelblutung handeln. Während der Stillzeit kann diese noch lange ausbleiben, muss es aber nicht. Jeder Körper findet seinen eigenen Rhythmus.
Manchmal ist die erste Periode kürzer, länger, schwächer oder stärker als gewohnt. Falls eine Blutung sehr früh nach dem Wochenfluss wieder einsetzt, ist ein Ultraschall zur Kontrolle empfehlenswert.
Wichtig: Der erste Eisprung kann vor der ersten Regelblutung stattfinden – eine Schwangerschaft ist also schon früh wieder möglich.
Der Wochenfluss ist ein natürlicher Begleiter im Wochenbett – manchmal unspektakulär, manchmal überraschend und verunsichernd. Er erinnert daran, welch große Leistung dein Körper vollbracht hat und wie kraftvoll die Zeit nach der Geburt ist. Gib dir Ruhe, vertraue auf deine Wahrnehmung und hol dir Unterstützung, wenn Unsicherheiten entstehen. Gut informiert und begleitet zu sein, schafft Sicherheit – und ein entspanntes Wochenbett.
Quellen: Stadelmann, I. (2005). Die Hebammensprechstunde. 8. Korr. Auflage, Stadelmann Verlag, Wiggensbach.Stiefel, A., Geist, Ch. & Harder, U. (2013). Hebammenkunde. Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. 5. Überarbeitete und erweiterte Auflage, Hippokrates Verlag, Stuttgart.
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